Zwischen Kanzel und Campus: Ein Gespräch über die Kraft der Kommunikation
- 23. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Ich habe mich mit Silke Ideker unterhalten über die Kraft der Kommunikation. Sie ist Pastorin an St. Michaelis Lüneburg und Hochschulpastorin an der Leuphana in Lüneburg.
Was macht eine Pastorin eigentlich genau? Und wie schafft sie es, jahrtausende-alte Texte so zu übersetzen, dass sie im 21. Jahrhundert verstanden werden?
Das vollständige Video-Interview findet ihr auf meinem YouTube-Kanal – hier ist ein kompakter Einblick in unsere Themen.
Du bist Pastorin – wie sieht dein Alltag „hinter den Kulissen“ wirklich aus?
„Es ist eine wunderbare Mischung. In St. Michaelis begleite ich Menschen in ihren existenziellen Momenten: Taufen, Trauungen, Beerdigungen. Als Hochschulpastorin an der Leuphana bin ich Seelsorgerin für Studierende und Mitarbeitende. Da geht es oft um Orientierung, aber auch um Liebeskummer. Ich sehe mich als Begleiterin auf Augenhöhe – egal ob im Talar oder im lockeren Gespräch auf dem Campus.“
Was ist Kommunikation für dich, und welche Rolle spielt deine Stimme dabei?
„Für mich ist Kommunikation die Wahrnehmung des Gegenübers – Mimik, Körperhaltung, die Schwingungen im Raum. Das Thema Stimme begleitet mich schon seit meiner Jugend in der kirchlichen Arbeit. Später, im Studium und durch Sprechertrainings, habe ich gelernt, wie wichtig es ist, dass die innere Haltung und das äußere Wort zusammenpassen. Wenn ich predige oder singe, ist die Stimme mein Werkzeug, um Räume zu öffnen.“
An der Uni triffst du auf analytisch denkende Menschen. Wie holst du sie vom Rationalen ins Geistige?
„Die Menschen kommen ja freiwillig zu mir. Sie suchen oft einen Gegenpol zur reinen Analyse. Ich versuche nicht, sie zu ‚überzeugen‘, sondern biete Austausch an. Das fängt beim aktiven Zuhören an. Wenn ich merke, dass jemand sehr im Kopf ist, helfen oft Bilder oder die Frage: ‚Was bewirkt das bei dir?‘. So schlagen wir die Brücke vom Verstand zum Gefühl.“
Die (Super-)Kraft der Kommunikation: Was können Führungskräfte von einer Pastorin über das Zuhören lernen?
„Zuhören ist eine unterschätzte Superkraft. In der Seelsorge lerne ich, den anderen ausreden zu lassen und auch die Stille auszuhalten. Führungskräfte können lernen, echtes Interesse zu zeigen, statt schon die Antwort im Kopf zu formulieren, während der andere noch spricht. Zuhören und darauf eingehen schafft Vertrauen und ist die Basis für jede gelungene Verständigung – auch in Unternehmen und in der Demokratie.“
Von der Wissenschaft zum bunten Tauffest: Wie verbindest du diese Welten?
„Verschiedenheit bereichert uns! Der Schlüssel dazu ist die Sprache. Ich versuche, komplexe theologische Inhalte so zu ‚übersetzen‘, dass sie für die jeweilige Zielgruppe relevant werden. Ein wissenschaftlicher Kontext braucht Klarheit, ein Tauffest braucht Wärme und Bilder. Aber in beiden Welten geht es am Ende um die gleiche Frage: Was trägt uns im Leben?“
Wie findest du die „richtigen“ Worte, um jahrtausendealte Texte relevant zu machen?
„Mein Tipp: Bibeltexte laut lesen! Durch das Sprechen werden sie lebendig. Ich frage mich immer: Was hat dieser Text mit meinem heutigen Leben zu tun? Ich versuche, die Essenz auf den Punkt zu bringen. Das macht Inhalte authentisch, und das ist wichtiger als Perfektion.“
Wer spricht, übernimmt Verantwortung. Wie motivierst du Menschen, sich zu öffnen (und Verantwortung zu übernehmen)?
„Indem ich selbst offen bin. Eine gute Stimme lädt ein, wenn sie Wärme und Wertschätzung ausstrahlt. In einer Zeit, in der viel geschrien wird, ist das leise, klare Wort oft viel mächtiger. Wir dürfen die Welt nicht den ‚Wahnsinnigen‘ überlassen, wie Rita Süssmuth so treffend sagte. Wir müssen unsere Stimme für das Miteinander und die Goldene Regel erheben.“ (Matthäus 7;12: Die Goldene Regel. … 12Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!).”
Hast du einen Lesetipp und wann redest du am liebsten?
„Ich lese aktuell ‚Zugwind‘ von Irina Fingerova – ein Buch mit tiefmenschlichen Themen. Und am liebsten rede ich ganz klar: Auf Augenhöhe, über die Dinge, die uns wirklich im Innersten bewegen.“
Zum vollständigen Interview auf YouTube
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