Das Wunder des Interviews - über Verständnis, Gegenseitigkeit und barrierefreie Kommunikation
- Ulrike Fricke
- 26. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aufgepasst: Hier bekommst du eine inspirierende Fallstudie darüber, wie ein einziges Interview Türen öffnet – nicht nur zu Inhalten, sondern vor allem zu neuem Verständnis, Gegenseitigkeit und Barrierefreiheit.
Dieses Gespräch war mehr als eine inhaltlicher Austausch. Es war ein Beispiel dafür, wie viel Aufwand und Engagement hinter gutem Austausch stehen – und dafür, wie Chancen enstehen, wenn man Hindernisse gemeinsam angeht.
Wie in all meinen Interviews geht es so los:
Wir kennen uns nicht. Wie haben nur die eine Schnittmenge: gegenseitiges Interesse. Sich gegenseitig wahrnehmen, und das Thema Kommunikation von unseren jeweiligen Perspektiven zu beleuchten.

Bei Leona (gehörlos, Auszubildende als Tiermedizinische Fachangestellte) war bedeutsam, wie vielen Menschen etwas daran lag, das Gespräch möglich zu machen:
organisatorisches Engagement: Leona durfte das Interview in der Arbeitszeit führen – eine klare Botschaft: Zeit ist eine Ressource, die für echten Dialog freigeschaufelt werden muss.
Barrierefreiheit: Wir brauchten Gebärden-Dolmetschende, weil ich nicht gebärde und Leona nicht hört. Die erste Anfrage war allerdings erfolglos.
Lösungsorientiertes Engagement: Aus der ursprünglichen Hürde wurde eine neue Möglichkeit geschaffen – zwei Gebärden-Dolmetschende an unserer Seite! Plötzlich war der Raum der Verständigung viel größer, als gedacht.
Und am Wichtigsten: Leona selbst wollte unbedingt in den Austausch treten – mit mir und damit mit uns allen!
So gelingt (nicht nur) barrierefreie Kommunikation
Die Schnittmenge unseres Austausches fanden wir erstaunlich einfach:
Wir sollten einander anschauen, wenn wir uns austauschen.
Wir haben Gebärden, die wir beide verstehen – wir müssen sie nur entdecken.
Wir brauchen Mimik, um zu verdeutlichen, wie wir das Geäußerte genau meinen.
Wir sollten uns trauen, Kontakt zu suchen, auch wenn Sprache oder Situation ungewohnt sind. Zitat: “Flipp’ nicht direkt aus!”
Ein pragmischer Vorschlag: Immer Papier & Stift dabei haben – oder ein Smartphone.
Was wir alle aus diesem Beispiel mitnehmen können
Sei ausdrücklich offen und signalisiere klar, was du brauchst (Verdolmetschung, visuelle Hilfsmittel, schriftliche Notizen). So entstehten Vertrauen und die Bereitschaft zum Austausch.
Gemeinsame Verständigung durch Vielfalt der Ausdrucksformen: Gebärden, Mimik und Notizen funktionieren als Brücken, wenn die verbale Sprache herausfordernd ist.
Mut zur Kontaktaufnahme: Trau dich, den ersten Schritt zu machen – auch in ungewohnten Situationen oder mit ungewohnten Sprachen.
Missverständnisse früh klären.
Geduld und Gelassenheit: Ruhiges, achtsames Vorgehen führt zu besseren Ergebnissen als hastiges Antworten (im Interview zu beobachten…).
Praktische Erkenntnisse für die Dozierenden und das Führungspersonal unter uns
Nutze Interviews als Methode für Perspektivenwechsel und um Barrieren sichtbar zu machen.
Fördere den Einsatz unterschiedlicher Kommunikationsmittel (Mimik, Gebärden, schriftliche Notizen) – so wächst der gemeinsam nutzbare Raum.
Schaffe Rahmenbedingungen, die Gespräche ermöglichen: Zeit, gute Atmosphäre, wenn nötig Dolmetschende, Barrierefreiheit – das ist kein Nice-to-have, sondern Grundvoraussetzung.
Mache die Kontaktaufnahme zur Übung: klare Signale öffnen Türen.
Fördere eine Kultur des Perspektivwechsels: Fragen statt Urteilen, aktives Zuhören, reflektiertes Nachfragen.
Nutze eine Notiz- oder Skizzenphase, um die Erkenntnisse aller (auch zurückhaltender oder gehörloser Menschen) zu dokumentieren und später zu reflektieren.
Ermutige andere, Mut zur Kontaktaufnahme zu entwickeln, und organisiere nötige Unterstützungsstrukturen.
Fazit
Das Wunder des Interviews liegt ganz klar in der Bereicherung durch Austausch – besonders sichtbar am Beispiel mit Leona. Vielen Dank dafür!



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